Race Tag 4
Waren die Wetterbedingungen bisher schon recht ordentlich, so hat sich eine Aenderung bereits mit heftigen Regen und starken Wind in der Nacht angekuendigt. Heute hatten wir sehr viel Wind und sehr hohe Wellen, (bis zu 3 Meter) sodass wir im 1ten Reff gestartet sind. Start war wieder o.k. und wir waren wieder vorne mit dabei. Hatten das Boot am Amwind- kurs gut unter Kontrolle und stachen so durch die Wellen. Waren auch nicht lange trocken. Aber so ist halt segeln. Julian war sich nicht ganz sicher, ob seine Entscheidung im 1ten Reff zu fahren, die richtige war. Hat sich aber von selbst erledigt. Waehrend ich das Gross trimme, wir brauchten maximale Hoehe zur naechsten Luvboje, ist uns mit lauten Knall die Reffleine gerissen. Im ersten Augenblick dachten wir alle:“ Oh Gott, nicht schon wieder der Block an der Grossschot!“ Einzig Julian hat sofort ueberrissen, was passiert war. Nicht weiter schlimm. Schuetteten das Gross aus und weiter ging die Fahrt. Ab jetzt war es aber Schwerarbeit am Gross, da wir permanent fierten und wieder dichtholten. Trotz des heftigen Winds, setzten wir am Vorwindkurs wieder den Genacker und erreichten damit eine Geschwindigkeit von bis zu 11 Knoten. Nach 2,5 Stunden hatten wir es geschafft und sind ueber die Ziellienie. Das mit haengen und wuergen, da wir es nicht schafften, auf einem Bug diese zu ueberschreiten. Also 50m vor der Ziellinie noch schnell 2 Wenden eingelegt. (Marmaris laesst gruessen!) Dann waren wir drueber. Hatten aber trotz dieses kleinen Missgeschicks ein gutes Gefuehl, vorne mit dabei zu sein. Und dann das Ergebniss: 2ter in der Tageswertung, 1ter in der Gesamtwertung. Schaut gut aus, wenn auf der Ergebnissliste dein Boot ganz oben steht. Fuer heute ein wirklich schoenes Gefuehl. Fuer heute desshalb, da wir diesen Platz sicher nicht halten koennen. Wir profitierten vom Missgeschick der anderen Boote. Realistischerweise wird es ein Platz 4 oder 5 werden. (Wenn nicht ein grobes Missgeschick passiert) Aber mit etwas Glueck und ein bisschen Pech bei den anderen Booten, schaffen wir vielleicht doch Rang 3. Der Leitsatz unser Crew „Lets try to fuck the others“ ist sicher im Sinn von Julian. Mal sehen, ob wir es schaffen.
Race Tag 5 und 6
Am 5ten Wettkampftag ging es von Nelson Dockyards nach Jolly Harbour. Selben Wetterbedingungen als die Tage davor. Nicht ganz soviel Wind wie am 4ten Wettkampftag, aber doch konstant zwischen 18 und 22 Knoten. Welle war an diesem Tag nicht das Thema, da unser Kurs ueberwiegend Vorwindkurs war. Immer wieder ein schoenes Gefuehl, wenn die Welle unter dir durchgleitet und das Boot richtig zu surfen beginnt. Der Start war entspannt und wir waren wieder vorne mit dabei. Man merkte jetzt richtig, dass sich die Crew anfaengt zu synchronisieren. Die Halsen bei dem doch recht anstaendigen Wind und das Wechseln des Genackers von einer Seite auf die andere ging richtig gut. Kein Missgeschick wie an den Tagen davor und so waren wir gegen 14:00 ueber der Ziellienie in Jolly HarborPlatz 5 in der Tageswertung unserer Klasse und Punktegleich an 2ter Stelle in der Gesamtwertung der Cruiser. Mehr konnten wir nicht erwarten.
Jetzt am 6ten Wettkampftag war natuerlich jeder hoch motiviert, da es moeglich war, doch noch Gesamtdritter zu werden. Der Kurs war in umgekehrter Richtung, also zurueck von Jolly Harbour nach Nelsons Dockyard. Ueberwiegend Amwindkurs. Und jetzt hat sich auch das Wetter geaendert. Der Wind wird immer schwaecher und somit die Wellen etwas niederer. Alles Bedingungen, die unserer Crew und unserem Boot entgegen kamen. Skipperbriefing war kurz und buendig. Wenn wir es wirklich wollen und daran glauben und unsere Manoever wie bisher machen kann es klappen. Er der alte Fuchs hatte natuerlich auf solche Windverhaeltnisse spekuliert und eine neue wesentlich groessere Genua vorbereitet. Unglaublich, wie das Boot ansprang, sobald wir diese gesetzt hatten. Wir waren am Start besser als je zuvor und konnten die in der Wertung vor uns liegenden Boote lange Zeit in Schach halten. Wir segelten was das Zeug hielt und Julian ist ein echter Racer. Unwahrscheinlich, was da an Kraft und Wille rueberkommt. Nach guten 3 Stunden fuhr das erste Boot unserer Klasse ueber die Ziellienie. Wichtig war jetzt, dass der Abstand zu uns nicht zu gross wurde. Und dann waren wir ueber der Linie. Langes Zittern und Bangen, da jeder wusste es wird knapp. Und dann das Ergebniss: Tagessieg, und Platz 3 in der Gesamtwertung!!!. Und das bei so einer Regatta. Toll!
St. Maarten
Nachdem der Stress von der Regatta vorbei war, sind wir recht gemuetlich von Antigua nach St. Maarten gesegelt. Ist doch etwas anderses so zu segeln als permanent unter Druck zu stehen. Wie man am Ergebniss sehen konnte, hat es sich aber ausgezahlt. St. Maarten ist geteilt in einen hollaendischen und franzoesischen Teil. Der schoenere Teil soll der franzoesische sein, der infrastrukurell bessere Teil ist der hollaendische. Viel haben wir davon aber nicht mitbekommen, da Julian ein umfangreiches Programm fuer uns erstellt hat. Das Boot wird jetzt fuer den Atlantiktoern vorbereitet und das heisst unter anderem Wechsel der Segeln in den Cruisingmode und Reparatur aller schadhaften Teile. Ein Thema welches noch nicht erledigt werden konnte ist die Reparatur unseres Generators. Da wir dies nicht selber machen koennen, sind wir auf den Servicemann hier auf St. Maarten angewiesen. Julian telefoniert des oefteren mit ihm, zuckt dann aber immer fast aus weil der Typ offensichtlich so ein „Maybe tomorrow“ Typ ist. Bis heute war er noch nicht da und eigentlich wollen wir morgen nachmittag unsere Reise ueber den Atlantik antreten. Auf dem Boot selbst wird der Platz immer enger, da neben den verscheidenen Segeln und anderen Segelsachen, jetzt auch noch Proviant, Wasser und Diesel fuer die Fahrt auf die Azoren hinzukommt. Wird ein bisserl eng am Anfang werden.
Gestern war es dann soweit. Bin doch jetzt tatsaechlich in den Klub der 50er eingetreten. Die Fete war auch recht ordentlich. (Bar mit Pool…) Sollte daher der Text etwas holpern, ersuche ich um Verstaendnis. Melde mich wieder von den Azoren. (Das Trackingsystem sollte funktionieren)
Los gehts
Jetzt wird es ernst. Das stuermische Wetter beruhigt sich langsam (2 Tote auf Martinique) und die erforderlichen Arbeiten sind abgeschlossen. Heute haben wir noch den Windgenerator in Betrieb genommen, da der erst 200 Betriebsstunden alte Hauptgenerator auf St. Maarten nicht zu reparieren war. Jetzt sollte genuegend Strom fuer das Bordsystem zur Verfuegung stehen. Und sollte es keinen Wind geben, fahren wir sowieso unter Motor und laden automatisch die Batterien. Auch Proviant ist genuegend vorhanden. An jedem nur moeglichen Platz findet sich Proviant. Ist aber notwendig, da 7 Leute doch einiges essen und trinken. Meine und Christians Notration besteht aus einer Bergsteiger, einer Packung Kaminwurzen, scharfen Senf und 4 Packungen Mannerschnitten. Sollte genuegen.
Gestern gab es dann das endgueltige Skipperbriefing fuer die Ueberfahrt. Wir haben die ungefaehre Route besprochen ( zuerst Nord Richtung den Bahamas, diese ca. 400 Meilen oestlich passieren und dann auf Nordost drehen). Es ist wahrscheinlich, dass wir in der Mitte des Atlantiks am Weg zu den Azoren keinen oder sehr wenig Wind haben. Julian ist aber ein Profi. Neben den 600 Litern fuer den Motor, (wir koennen auch den Abnteil des Hauptgenerators verwenden da dieser sowieso nicht funktioniert) behaelt er sich noch 20 Liter in Reserve. Diese waren in der Vergangenheit verantwortlich dafuer, ob wir einen Tag frueher oder spaeter zu meinem Bier auf Hotra (Azoren) komme. Meistens spiegelglattes Wasser. Und nach 16 Tagen hast du sicher Lust auf ein sehr grosses Bier.
Somit verabschieden wir beide uns auf geplante 16Tage und melden uns wieder von den Azoren. Verfolgen koennt ihr uns ueber die „Aktuelle Position“. Ciao
Horta/Azoren
Do sa ma!! Nach fast 16 Tagen auf See sind wir gut in Horta auf den Azoren angekommen. Auf unserer Ueberfahrt hatten wir keinen Wind, wenig Wind und viel Wind. Unser bestes Ergebniss waren 195 sm in 24 Stunden. Da faehrst du schon mit 8 bs 9 Knoten durchs Wasser. Und natuerlich durch de Wellen. Weil: Wo Wind, da Wellen. Ist nicht wirklich schlimm, solange du etwas siehst. Anstrengend wird es in der Nacht. Da siehst du naemlich gar nichts mehr. Du kannst nicht erkennen, ob da jetzt eine Welle auf dich zukommt oder nicht. Du erkennst auch keinen Unterschied mehr am Horizont, wo das Wassr aufhoert und der Himmel beginnt. Da wird so manches Licht eines vermeintlichen Bootes Stunden spaeter zum Stern am Himmel. Du kannst dich einfach an nichts mehr orientieren. Der einzige Bezug den du hast sind die Instrumente am Masten. Leuchtend rot. Und du starrst drauf, sollange du am Ruder stehst und du deinen Kurs zu halten versuchst. Wenn du da die Wache zwischen 02:00 und 06:00 am Morgen hast, werden die Zahlen am elektronischen Kopass wirklich zum Feind. Egal wie sehr du dich bemuehst, sie springen immer wieder herum und zeigen nie den Kurs an, den du fahren moechtest. Und das Boot selbst versucht auch seinen eigenen Weg zu gehen. Es ist wirklich anstrengend, all dies zu beherschen und halbwegs die Richtung beizubehalten. Es ist aber alles gut gegangen und einen wirklichen Sturm hatten wir zum Glueck nicht. Die Azoren selbst sind huegelig und total gruen. Die Haueser weiss und gedeckt mit roten Daechern. Ueberhaupt ist es sehr sauber hier. Ganz anders alls wir es aus der Karibik gewohnt waren. Weiter geht es jetzt, indem wir morgen die Azoren verlassen und nach Southampton aufbrechen. Sollte in 10 Tagen zu schaffen sein. Na dann!!!

