define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true); Timeout | Einmal um die ganze Welt » redaktion

Starten um 09:30, da wir rechtzeitig an der Grenze sein wollen. An der Grenze, welche rasch erreicht ist (irres Kopfsteinpflaster am Weg dorthin), sind wir alleine. Am Schalter für die Fähre treffen wir zwei Deutsche, Vater mit Sohn, welche mit dem Fahrrad unterwegs sind. Wollen auch nach Istanbul. Tolle Leistung bei der Hitze. Nachdem wir das Fährticket gelöst haben (€ 1,50.-!), warten wir bis wir „entern“ dürfen. Zuvor rollen noch einige mit Baustahl beladene Schwer LKW vom Schiff. Und das Schiff war mal ein Kohletransporter oder ähnliches. Einfach eine riesige Wanne mit Motor und Steuerrad. Und jetzt sind wir dran. 3 Motorräder, 2 Fahrräder und 1 Fußgänger. Verliert sich irgendwie in diesem riesigen Bauch. Egal. Das Schiff legt ab und wir überqueren die Donau. Vor uns liegt Bulgarien. Das letzte Land vor der Türkei. Das Wetter ist schön, es ist still um uns, wir treiben in der Strömung. Herrlich. Bald ist die Landestelle auszumachen, wo wir bulgarischen Boden betreten werden. Dann die Grenze. Moderner Bau, alles sieht gut aus. Und der Grenzverkehr ist enden wollend. 3 Motorräder und 2 Fahrräder! Wir bezahlen eine Benützungsgebühr wofür auch immer von € 1,50.- pro Motorrad und können fahren. Gute Straßen kein Verkehr, Pferdefuhrwerke und sitzende Leute vor deren Häusern. So begrüßt uns Bulgarien. Nicht unfreundlich, aber man merkt, daß hier der Wohlstand hart erarbeitet werden muß. Eine über 80 jährige alte Frau zerrt schwer an ihrem mit Brennholz beladenen Karren. Ohne Esel. Absteigen und helfen? Was ist dann morgen? Unter anderem sind es dann diese  Bilder, welche ich von meinen Reisen mitnehme.
Weitergeht es nach Pleven und von dort Richtung Trojanskipaß (1525m). Herrliche  Paßstraße mit fantastischer Aussicht. Gutes Wetter und wenig Verkehr. Griffiger Belag und jede Menge Kurven. Das macht Spaß. Nachdem wir das Rosental erreicht haben, geht es über Karlovo  weiter nach Plovdiv. Finden ein herrliches kleines aber sehr modernes Hotel nahe der Innenstadt mit einem schönen Innenhof, wo wir uns gemütlich ein Bier gönnen und auf Bruno warten. Der ist uns wieder verlorengegangen, da er versucht, daß ganze Land  in seinem Fotoapparat einzufangen. Und das braucht halt seine Zeit. Mit einem gemeinsamen Abendessen in der sehr gepflegten Altstadt, (wirkt überhaupt sehr sauber und renoviert), beenden wir dann unseren Reisetag.

Heute ist es eine eher kurze Etappe. Da macht es auch nichts, daß sich Bruno verschläft. Hat wieder bis weit nach Mitternacht seine Fotos auf den LapTop geladen. Fahren dann gemütlich Richtung Stara Zagora. Viel Verkehr und nicht immer einfach zu überhohlen. Das ändert sich erst, als wir Bursa links liegen lassen (wir fahren östlich daran vorbei) und entlang des Schwarzen Meer an unseren Zielort Carevo gelangen. Ist wie eine Urlauberstadt in Italien. Leute in der Badekleidung, Kinder die ihre aufblasbaren Krokodile oder Luftmatratzen schleppen und Kneipen, die zum Verweilen einladen. Genau das tun wir und essen ausgiebig. Auch die Suche nach dem Hotel ist einfach. Es ist das Hotel genau gegenüber. Nach der Frage, wo wir unsere Motorräder sicher unterbringen können, deutet das Mädel hinter der Rezeption einfach nur auf den Gehsteig vor dem Eingang. (Mit Englisch geht da auch nicht viel) Also parken unsere 3 Motorräder direkt neben den Blumentrögen mitten am Gehsteig vor den Stufen zum Hoteleingang. Da regt sich niemand auf. Und alle wissen, daß uns die Motorräder gehören. Hatte eigentlich nie das Gefühl, daß sie uns gestohlen werden könnten. Spazieren dann wie echte Touristen noch durch die volle Fußgängerzone und mischen uns unter die fröhlich feiernden bulgarischen Touristen.

31. August 2011

Istanbul

(2012 km in 31:04 Stunden reine Fahrzeit)
Bruno wollte am Vortag eigentlich noch tanken. Ist sich aber dann irgendwie nicht ausgegangen. Also machen wir es heute. Die erste Tankstelle ist noch zu. Also weiter, da laut David und seinem Navi (in dem Fall ein Nüvifone von Garmin) noch einige Tankstellen kommen. Ah ja. Wir reduzieren auf 50 km  und dann schleichen wir fast nur mehr. Und dann, mitten im Nichts steht sie da und wartet auf uns. Also alles randvoll auffüllen und mit beherzter Fahrt die verlorene Zeit wieder aufholen. Und dann die Grenze. Zuerst die bulgarische. 2 Autos vor uns. Sonst nichts. Nach ca. 30 Minuten ist die ganze Sache erledigt. Wir werden freundlich weiter gewunken und verabschieden uns von Bulgarien. Kommen sicher wieder. Aber jetzt liegt die Türkei nur noch wenige Meter vor uns. Nach einer Kurve plötzlich Stau. Wo kommen all die Autos her?? Das wird dauern. Aber mit meiner Erfahrung im Umgang mit Behörden auf meiner Afrikareise, Davids  Improvisationskunst und  Brunos Gabe, mit allen ins Gespräch zu kommen, haben wir relativ rasch die erforderlichen Dokumente, zahlen unsere Abgaben und haben alles für die Einreise in die Türkei. Irrtum. An dem letzten Schranken vor der Einreise, werde ich von dem Grenzbeamten zurück geschickt. Der Grund ist, daß ich laut Eintrag mit einem Auto und nicht mit einem Motorrad unterwegs bin. Also nochmals retour, vorbei an der wartenden Schlange, (wenn Blicke töten könnten!) den Beamten auf seinen Fehler aufmerksam machen, (wieder gestorben!) aber nach 20 Minuten fertig. Rauf auf den Bock und Gas. Istanbul wir kommen!
Unglaubliche Strassen nach der Grenze. Wahnsinn. 2 Spuren in jede Richtung, feinster Belag, endlose Radien, kein Verkehr. Also volles Rohr. Das Land fliegt an uns vorbei. Grün, schön, weit, sauber. Durst. Also stoppen wir in Kirklareli und kippen Tee und Cola. Wir sind in der Türkei. Istanbul liegt in greifbarer Nähe. Also weiter. Und dann wird der Verkehr dicht. Ganz dicht. Wirklich ganz dicht. Istanbul hat an die 15 Mio. Einwohner. Und ein Teil davon fährt immer mit dem Auto. Und mittendrin 3 Motorradfahrer mit ausländischem Kennzeichen. Und dann sollst du auch noch dem ersten Motorrad folgen, aber deinen Hintermann nicht verlieren. Wie machst du das, wenn selbst in eine 5 m Lücke plötzlich ein Bus oder LKW dazwischen paßt. Irr. Da hatten wir echt zu kämpfen. Aber irgendwie ist es doch gegangen. Nach vielen Staus und durchschwitzter Kleidung, erreichen wir unser Hotel. Klein aber fein in der Nähe der Altstadt. Leider auch in der Nähe einer Moschee. Da gibt es kein Bier. Auch nicht außerhalb des Ramadan. Aber es wäre nicht die Türkei, wenn es nicht doch eine Lösung gäbe. Also wird ein Boy losgeschickt und kurz darauf stehen 3 kalte Bier vor uns. Sehr angenehm, dieses Istanbul. Und erst die Aussicht von der Dachterrasse. Freier Blick auf die Moschee und die wartenden Schiffe vor der Einfahrt in den Bosporus. Unglaublich schön. Unglaublich auch, daß wir nach 6 Tagen Fahrt den Orient erreicht haben. Auch wenn wir jetzt noch auf der europäischen Seite der Türkei sind. Dann läutet das Telefon. Henry ist gut gelandet und spätestens in einer Stunde im Hotel. Abendessen zu viert steht jetzt am Plan. Schön.

29. August 2011

Tag 7+8 Istanbul

Istanbul. Eine wunderbare, moderne Stadt. Überall trifft man auf freundliche Gesichter, deren Besitzern man die Lebensfreude anmerkt. Uns geht es genauso. Wie sollte es auch anders sein, nach einem guten Frühstück auf der Dachterrasse unseres Hotels mit Blick über die Altstadt und den Bosporus. Istanbul lädt ein zum Eintauchen. Und genau das machen wir. Wir starten unser, die nächsten beiden Tage bestimmendes Programm mit einem Besuch des Großen Bazar (Kapali Carsi) mit seinen über 4000 Geschäften. Und ab jetzt sind wir wirklich in einer anderen Welt angekommen. Es ist so, wie man es sich immer vorstellt. Man bekommt alles von jedem oder jeder hat alles weil jeder jeden kennt. Und immer wird dir Tee angeboten. Das ist einfach der Start jedes Verkaufsgesprächs, was in den meisten Fällen in Deutsch stattfindet. Deutsch ist überhaupt die Sprache mit der man in der Türkei am besten durchkommt. Da finden sich später auf unserer Reise noch einige Beispiele dafür.
Weiter auf unserem Streifzug durch Istanbul gelangen wir zu einem der schönsten Bauwerke Istanbuls. Der Blauen Moschee oder Sultan Ahmet Moschee. Erbaut nach dem Vorbild der Hagia Sophia, verdankt sie ihre Bezeichnung den blauen Wandfliesen, welche Kuppel und einige Wandteile geschmückt sind. (Neben der Moschee in Mekka, ist die Blaue Moschee die einzige mit sechs Minaretten). Unweit davon  liegt die Hagia Sophia, heute Aya Sofya, welche im 5. Jht. n. Chr unter Kaiser Justian dem Großen errichtet wurde und zum größten Gotteshaus der Christen wurde. Mit der besonderen historischen Stellung der heutigen Türkei als Schnittpunkt zwischen byzantinischen und Islamischen Einflüssen, wurde aus der ehemaligen Kirche 1453 eine Moschee mit Minaretten und Halbmonde anstelle von Kreuzen. Auf dem Weg hinunter zum Meer sieht man, daß überall in der Stadt renoviert und erneuert wird. Unten am Wasser angekommen, bieten eine Menge Ausflugsschiffe Rundfahrten an. Wir wählen die Route bis zur Bosporus Brücke und lassen entspannt die Stadt an uns vorüber ziehen. Unglaublich welche schöne Silhouette an uns vorüberzieht. Jetzt wird die Größe der Stadt erstmals sichtbar. Da die Villen in den vielen Buchten umgeben  mit viel Grün, dort die Hochhäuser der Geschäftsvierteln oder Wohnsiedlungen der weniger Betuchten. Und dann fährt man unter der Bosporus Brücke hindurch, welche 1970 gebaut wurde und den europäischen mit dem asiatischen Teil verbindet. Auf der Rückfahrt gleiten wir an einem Bauwerk vorbei, welches schon Bühne in einem James Bond Film war. Der Leanderturm oder Mädchenturm, welcher als eines der schönsten Wahrzeichen Istanbuls gilt. Heute befindet sich ein Restaurant darin.
Wieder an Land schlendern wir weiter durch die Stadt und landen unter anderem im Hippodrom, einst Schauplatz  sportlicher Spiele und Zentrum des öffentlichen Lebens, welcher Platz für bis zu 100.000 Menschen bot. Heute sind nur noch einzelne Säulen übrig. Als Pflichtbesuch für unser kurzes Städtebesuchsprogramm haben wir noch den Topkapi Palast und Yerebatan Sarayi ausgewählt. Der Topkapi Palast war jahrhundertelang Wohn- und Regierungssitz der Sultane. Erbaut wurde der Palast 1453 vom Eroberers Konstantinopels, Sultan Mehmet II. Seit 1923 wurde der Palast in ein Museum umgewidmet. Anschließend geht es unter die Stadt. Bei der Yerabatan Saray handelt es sich um die größte Zisterne des alten Byzanz. Erbaut wurde sie von Kaiser Justinian, um die Wasserversorgung der Stadt zu garantieren. Erreicht wird die Zisterne über eine Treppe, welchen den Besucher in den unterirdischen Palast führt. Palast deshalb, weil das unterirdische Gewölbe von 336 Säulen getragen wird. Mit dem noch immer gefüllten Wasserbecken und der verspielt angebrachten Beleuchtung, ergibt es eine einzigartige Atmosphäre. Selbst die vielen Touristen flüstern hier nur. Die Wasserqualität wurde durch einen einfachen Trick überprüft. Solange sich die Fische in dem Wasser noch wohl fühlten, war auch das Wasser noch in Ordnung. Schwammen sie mit dem Bauch nach oben, war das Wasser eher nicht zu genießen.
Soviel Kultur und dies alles zu Fuß macht müde. Wir schlendern noch ein letztes Mal durch das nächtliche Istanbul auf der Suche nach einem guten Lokal. Dies ist nicht wirklich schwer, da es davon jede Menge gibt und du vor jedem Lokal von dem Besitzer angesprochen und zum Verbleiben eingeladen wirst.  Mit einem letzten Blick von unserer Dachterrasse verabschieden wir uns von dieser schönen Stadt.